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24.04.2020
Beikost

Beikost – Wie man seinem Baby gibt, was es braucht

Es steht außer Frage: Das Stillen hat viele Vorteile. Neben dem intensiven Aufbau einer Beziehung zwischen Mutter und Kind wird das Immunsystem des Babys gestärkt und hilft dabei, Krankheiten beim Baby vorzubeugen. Stillen ist kostenlos, jederzeit und überall möglich und außerdem ist Muttermilch reich an vielen Vitaminen, welche das Baby benötigt. Doch irgendwann kommt der Tag, an dem Muttermilch alleine nicht mehr ausreichend ist. Und früher oder später kommt jede Mutter an diesen Punkt, wo Beikost zusätzlich zur Muttermilch verabreicht werden muss. Doch beim Thema „Beikost“ gibt es häufig viele offene Fragen. Darum möchte ich euch anschließend ein paar Tipps mitgeben, die euch bei der Zuführung von Beikost für euren kleinen Liebling helfen und unterstützen sollen.

Was versteht man unter Beikost?

Doch die wichtigste Frage zuerst – was versteht man unter Beikost eigentlich? Beikost wird dem Baby langsam zusätzlich zur Milch zur Verfügung gestellt. Das können Muse oder Breie sein, die aus gesunden und natürlichen Zutaten wie Fleisch, Gemüse und Obst zusammengestellt werden und dem Baby ergänzend zur vitaminreichen Muttermilch (oder Säuglingsnahrung, für den Fall, dass nicht gestillt wird) angeboten werden. Beikost bietet zusätzliche Ballaststoffe und komplexe Kohlenhydrate und unterstützt mit ihrer Konsistenz die Gewöhnung an feste Nahrung.

Der richtige Zeitpunkt für Beikost

So praktisch das Stillen auch ist, es kommt für alle Mütter der Zeitpunkt, wo Muttermilch alleine nicht mehr zur vollständigen Ernährung des Babys genügt. Doch ab wann soll mein Baby denn nun Beikost bekommen?

Es wird empfohlen, ab dem 6. Monat (je nach Quelle erst ab dem 7. Monat) jeden Monat eine Milchmahlzeit durch Beikost zu ersetzen. Am wichtigsten ist es, hier auf die Bedürfnisse deines Babys einzugehen. Bitte beginne lieber später als zu früh mit der Beikost. Erst wenn dein Baby deiner Meinung nach bereit ist, versuche langsam Beikost anzubieten, sodass es sich daran gewöhnen kann. Bitte achte unbedingt auf kleine Mengen, um den Säugling nicht zu überfordern und deute die Signale deines Babys. Wenn es nicht essen möchte, zwinge es nicht dazu. Probiere es anfangs nur mit ein paar kleinen Löffeln Brei. Lass dein Baby selbst bestimmen, und ermögliche ihm so früh wie möglich den Löffel selbst zu halten. Manche beginnen mit Baby-Led- Weaning (vom Baby geleitete Entwöhnung). Das bedeutet, dass Babys gleich mit der Familienkost beginnen und in abgewandelter Form (ohne Salz etc.) Gerichte essen, welche alle Familienmitglieder bekommen. Dazu in einem anderen Artikel mehr.

Die Signale des Babys richtig deuten

Wichtig ist, dass die Umstellung in kleinen Schritten passiert, damit dein Baby die neue Kost auch annehmen kann. Anhand der Entwicklung deines Kindes in den ersten Monaten wirst du erkennen, ob es bereit für Beikost ist. Die 5-7 Monate sollen daher nur einen Richtwert darstellen. Du lernst in den ersten Monaten dein Kind gut kennen und kannst dann nach deinem Empfinden entscheiden, wie weit dein Baby ist und ob es nun bereit für Beikost ist. Deute verschiedene Signale, die auf die Bereitschaft zur Beikosteinführung hindeuten:

  1. Kopf halten ist möglich sowie das Wegdrehen, wenn es satt ist
  2. Aufrechtes Sitzen mit Unterstützung ist möglich
  3. Es ist neugierig auf das Essen der Familienmitglieder am Esstisch und greift danach
  4. Es öffnet den Mund, wenn sich der Löffel mit dem Essen nähert
  5. Es schiebt das Essen nicht wieder mit der Zunge aus dem Mund

Die richtigen (und wichtigen) Zutaten für Beikost – und was ist tabu?

Wenn du deine Beikost nicht fertig zubereitet im Glas kaufen, sondern selbst frisch kochen möchtest, sparst du nicht nur Geld, sondern weißt auch immer genau, was im Brei enthalten ist. Zutaten wie Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch und Eier sind zu empfehlen und gut für dein Baby. Ergänze den Brei immer mit hochwertigen, pflanzlichen Ölen wie z.B. Leinöl. Zutaten wie Zucker, Salz,  rohes Fleisch oder rohe Eier sind selbstverständlich verboten. Beliebt für Babybreie sind vor allem Kartoffeln, da diese leicht zu pürieren oder zu stampfen sind und zahlreiche Nährstoffe enthalten. Auch Pastinaken sind zu empfehlen und können z.B. mit Kartoffeln und Karotten angeboten werden.

Vertraue bei der Beikosteinführung auf dich und darauf, dass du dein Baby am besten kennst – gemeinsam werdet ihr diese Umstellung meistern und euch noch besser kennenlernen.

Hast du noch weitere Fragen oder möchtest eine individuelle Beikostberatung in Anspruch nehmen? Dann kannst du mich gerne kontaktieren.

12.04.2020
Sauberkeits”erziehung”

Über Windel(frei) und das sauber werden

Beim Abschied von der Windel gibt es zwei Herangehensweisen die unterschieden werden. Das eine ist die Sauberkeitserziehung und das andere die Ausscheidungkommunikation (elimination communication) also Windelfrei. Im Folgenden werde ich näher darauf eingehen:

Windel(frei) und Ausscheidungskommunikation

Windelfrei bedeutet nicht zwangsläufig die Babys ohne Windel zu lassen. Viel mehr liegt der Fokus auf einer intuitiven Kommunikation zwischen Eltern und Baby. Die meisten Babys signalisieren ab der Geburt bis ca. 6 Monate, wenn sie mal „müssen“ und die Eltern halten ihr Baby anschließend ab. Die meisten Babys haben eine (Stoff-)Windel an. Babys geben in der Regel Feinzeichen von sich die darauf schließen das es mal muss, man kann dem Baby eine Art Brücke mit gewissen Lauten bauen, damit es weiß wann das Töpfchen, die Schüssel oder das Waschbecken bereit steht und es den Dingen freien Lauf lassen kann. Es ist kein Training. Eltern gehen dem Bedürfnis des Babys „sich nicht schmutzig machen“ zu wollen nach. Nicht jedes Pipi oder große Geschäft geht in das Töpfchen. Manche Babys wollen nachts nicht geweckt werden, sodass dafür ohnehin Windeln benötigt werden. Babys die windelfrei aufwachsen, gehen bewusster mit dem Sauber werden um. Wenn die Eltern kein Training daraus gemacht haben. Und brauchen in der Regel früher als nicht windelfrei Babys keine Windel mehr. Verpasst man allerdings den Zeitpunkt bis 6 Monate so verlernen Babys auf dieses Bedürfnis zu hören. Da nie darauf reagiert wurde, ist es scheinbar nicht so wichtig und wir trainieren somit unseren Kindern erst einmal, die Aufmerksamkeit auf das sauber werden, ab. Um in der westlichen Welt, und den Wettergegebenheiten entsprechend abhalten zu können, gibt es einige nützliche Utensilien, die den Alltag mit einem Windelfrei Baby erleichtern. Es gibt gut geeignete Töpfchen als auch eigens für das Abhalten produzierte Stoffwindeln. Da Stoffwindeln je nachdem, welches System man verwendet, ein Gefühl von Nässe hinterlassen, wenn das Baby in die Windel gemacht hat, können Babys besser darauf schließen, dass das Pipi/Kacka nicht einfach verschwunden ist, sondern hier ist und sauber gemacht werden muss. Es etwas Natürliches ist und bauen über diesen Weg zur Sauberkeit eine Beziehung zum Kind auf. Wegwerfwindeln funktionieren so gut, dass kein Nässe oder Schmutzgefühl entwickelt wird. Stoffwindeln können diesen Nässeschutz genauso leisten, jedoch können wir anhand der Einlagen selbst entscheiden, wie viel Nässe wir unserem Kind zumuten möchten. Bei einer Wegwerfwindel ist das „selbst Produzierte“ komplett aus dem Leben des Babys verschwunden. Spätestens, wenn wir als Eltern ab einem gewissen Alter möchten, das unsere Kinder auf den Topf oder die Toilette gehen, so ist der natürliche Prozess erstmal mehr als befremdlich. Und der Weg sich ein verlerntes normales Bedürfnis wieder anzueignen, ein meist längerer ist als würden wir den intuitiven windelfreien Weg wählen. Wo wir nun bei der Sauberkeitserziehung im eigentlichen Sinne landen:

 

Sauberkeitserziehung – der Abschied von der Windel

Unter Sauberkeitserziehung versteht man, das Abgewöhnen der Windel, hin zum Töpfchen oder zur Toilette. „Erziehung“ ist ein fehlgeleitetes Wort, wir müssen unserem Kind keinen normalen Prozess unseres Körpers anerziehen. In vieler Köpfe ist verankert das Babys und Kleinkinder ihre Blase noch nicht unter Kontrolle hätten. Nun haben wir bis dato nicht auf das Bedürfnis „ich muss mal“ reagiert und möchten, das Bedürfnis Pipi/Kacka wieder an das Kind knüpfen und als natürlichen Prozess erklären. Wir waren vielleicht schon Vorbild, und zeigten unserem Kind häufig die Toilette und saßen selbst vor ihm darauf. Wir erklären und vereinfachen unserem Kind den Abschied von der Windel, indem wir es ihm durch geeignete Sitzverkleinerungen, Toilettensitze und einfach an- und ausziehbare Bekleidung erleichtern. Töpfchen stehen genau dort wo sie hingehören, nämlich neben der Toilette oder zumindest im Badezimmer, wenn neben der Toilette kein Töpfchen Platz hat. Die Privatsphäre muss auch hier gegeben sein.

Kinder im Sommer im Garten nackig laufen zu lassen, ist eine gute Idee, vorausgesetzt das Kind möchte das. So könnte ein Bezug zum selbst produzierten Pipi aufgebaut werden. In der Art „schau mal Mama“ was ich gemacht habe. Ein wertschätzender Umgang ist enorm wichtig. Also wann ist nun der perfekte Zeitpunkt, um auf die Windel zu verzichten? Dann, wenn dein Kind sagt es möchte auf den Topf/ die Toilette. Anstatt des Lobes, welches ursprünglich für Hundetrainings (Konditionierung) entworfen wurde, lassen wir unsere Kinder stolz ihr Pipi / Kacka selbst die Toilette hinunterspülen. Ein kleiner Schritt für uns, ein großer Schritt für unsere Kinder in die Selbstständigkeit. Darüber können wir uns mit den Kindern freuen, anstatt zu loben. Um euch den Druck der Gesellschaft und ihren Ansichten zu nehmen, es kann bis zu 5 Jahre dauern, bis die Blase zuverlässig kontrolliert werden kann. Bei Windelfrei Kindern geht es in der Regel schneller, weil sie bereits wissen, das die Toilette / das Töpfchen dazu gehört. Um sich von der Nachtwindel verabschieden zu können, dauert es in der Regel länger. Auch hier werde ich keine genauen Angaben machen, denn unsere Kinder sind individuell und es gibt keinen genauen Fahrplan.

Mancher Prozess im Gehirn spielt eine große Rolle beim Sauber werden, und „Windelfrei“ sowie die „Sauberkeitserziehung“ werden zwischenzeitlich durch Entwicklungsschübe unmöglich gemacht; so lässt sich auch erklären, warum es Zeiten gibt, wo das aufs Töpfchen/ auf die Toilette gehen einmal besser, einmal schlechter funktioniert. Von Töpfchen und Toiletten Trainings jeglicher Art ist daher abzusehen. Ein Kind anzuleiten und zu zwingen die Toilette/ den Topf zu benutzen, obwohl es das nicht möchte, oder gar nicht muss, kann psychische Folgen nach sich ziehen; einen schlechten Zugang zur Sauberkeit entwickeln und eine Verzögerung beim Abschied von der Windel hervorrufen. Pipi oder Kacka darf niemals als etwas Ekliges dargestellt werden. Das Verhalten der Eltern stellt in diesem Aspekt eine wichtige Beziehungsgrundlage dar. Der Sauberkeitsprozess hängt im entferntesten Sinne mit der Sexualität des Menschen zusammen und kann aus diesem Grund eine Störung im Liebesleben auslösen.

Beide Sauberkeitsvarianten bedingen eines, nämlich die Geduld, die Vorbildfunktion, das Erlernen der Selbstständigkeit, die beziehungsvolle Pflege (siehe Emmi Pikler) und die Kommunikation. Bei dem einen früher, beim anderen später. Aber immer sind diese die Basis, um sich von der Windel zu verabschieden. Wir verhelfen unserem Kind zur Selbstständigkeit. Ein wichtiger Loslöseprozess, mit großer Wirkung auf das gesamte Leben unserer Kinder.

Wie nun Windelfrei (von 0-6 Monate) oder der Abschied von der Windel ab Kleinkindalter begonnen wird, und wie du deinem Kind und dir selbst den Weg dorthin erleichtern kannst, erfährst du auch in meinen zeitlich flexiblen Online Kursen. Oder bei einer Einzelberatung, schick mir dazu einfach eine Anfrage.